Digitalrückteile Juni 2005, Teil I
(© Dr. Martin Knapp, mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift ProfiFoto)
Rückteilhaft
Fünf Highend-Digitalrückteile für Mittel- und Großformat standen im ersten Teil des aktuellen adf-Tests auf dem Prüfstand. Profifoto fasst die Ergebnisse zusammen.
Auch wenn es angesichts der boomenden D-SLR-Klasse etwas ruhiger um die professionellste Weise der Bild-Digitalisierung geworden ist: Digitalrückteile bilden nach wie vor die Königsklasse im Fotostudio, und der Markt ist für die verbliebenen Hersteller offensichtlich immer noch interessant genug, um ihn mit neuen Geräten zu beschicken.
Um das aktuelle Angebt in dieser Geräteklasse auf Praxistauglichkeit zu untersuchen, traf sich das Tester-Team (Uli Dinger, Reinhard Fittkau, Holger Hagedorn, Martin Knapp, Achim Rösch und Manfred Zentsch) im Heidelberger Fotostudio Indigo mit den jeweiligen Produktexperten, die für die optimale Performance ihrer Schützlinge sorgen sollten.
Die Kandidaten
In der ersten Runde des adf Rückteiltest traten Modelle von Jenoptik, Phase One und Sinar an; für den zweiten Teil, dessen Veröffentlichung für Profifoto 5/2005 vorgesehen ist, sind Tests der Systeme von Leaf sowie der dann brandneu verfügbaren Geräte von Imacon beziehungsweise Hasselblad geplant.
Eyelike precision M22

Das eyelike Precision M22 mag angesichts der jüngeren Mobil-Schwester eMotion etwas altbacken wirken, ist jedoch ein solides Arbeitstier. Optional ist die 1-Shot-Basisversion auf 4- und 16-Shot aufrüstbar, so dass man im Studio nahezu universell ausgerüstet ist. Als positives Alleinstellungsmerkmal punktet beim Test des Precision 22 die Möglichkeit der Anpassung der „Filmebene“ mittels eines Stapels abreißbarer Folienstreifen – gerade an der Test-Hasselblad war dies für eine exakte Fokussierung ausgesprochen hilfreich. Ebenfalls als Plus kann das Rückteil seine universelle Einsetzbarkeit mit sämtlichen Verschlusssystemen (z.B. Rollei, Schneider Electronic, Copal) verbuchen – und für seine rundum gelungene Live-Bild-Funktion benötigt es noch nicht einmal einen Spezialverschluss.
Die zugehörige eyelike-Software wartet mit einem ausgereiften, auf den professionellen Workflow ausgelegten Konzept auf: Ein vielseitiger Kontaktbogen mit HTML-/JPEG-Exportmöglichkeit erleichtert das Selektieren der Aufnahmen sowohl im Studio als auch beim (entfernten) Kunden; eine Fülle von Tools wie etwa Bescheidewerkzeug, skalierbare Gitterraster und die Bildgrößenskalierung lassen kaum Wünsche offen.
Sinarback eMotion 22

Als Eyelike eMotion22 erblickte sie das Licht der Fotostudios, nun – nach dem Kooperationsabkommen von Jenoptik L.O.S mit Sinar – heißt das Rückteil Sinarback eMotion22. Es ist zwar nur für den 1-Shot-Einsatz ausgelegt, kann aber dank Akku und Speicherkarte mobil und fernab des Rechners eingesetzt werden. Es bietet ebenso wie das eyelike precision M22 die Möglichkeit der Anpassung mittels Folienblock. Nachbessern sollte der Hersteller jedoch beim eingebauten Display, auch wenn dieses auf der innovativen OLED-Technik basiert. Es lässt nicht nur den Lagesensor für das automatische Drehen der Darstellung beim Wechsel zwischen Hoch- und Querformat vermissen, sondern erwies sich im Test bei hellem Umgebungslicht – etwa im Freien – als unbrauchbar: Zum einen zeigte sich ein störendes Flimmern, zum anderen wurde der Bildschirm bei stärkerem Licht – bei dem heute selbst preiswerte Consumerkameras noch ihre Bilder zeigen – komplett schwarz. Im Gegenzug glänzte es in der düsteren Studioumgebung durch eine bessere Übereinstimmung des LCD-Bildes mit dem Motiv als sie das P25-Display zu liefern vermochte.
Die im Test festgestellten Probleme mit dem Display der emotion 22 bestätigte Sinar; Eventuell betroffene Displays von bereits ausgelieferten Rückteilen werden laut SIC Imaging kostenlos ausgetauscht.
Die Bedienelemente am Rückteil sind ebenso sinnvoll konzipiert wie die Menüführung. Das Sinarback eMotion arbeitete im Test noch mit der eyelike-Software, soll aber schon bald mit einer entsprechenden Variante des Sinar Capture Shop ausgestattet werden.
Sinarback 54 H

Das Sinarback 54 H präsentierte sich als wuchtigster unter den Kandidaten. Mit seinen diversen (und immer wieder fehleranfälligen) Kabel- und Steckverbindungen ist es nachdrücklich für den stationären Einsatz im Studio ausgelegt. Zur Erzeugung eines brauchbaren Live-Einstellbildes ist es auf den Sinar LCD-Shutter sowie eine entsprechende Steuerung – etwa durch das Sinar M-Modul - angewiesen – wie streifig und dunkel es ohne diesen aussah, konnten wir im Test ungewollt verifizieren, da das entscheidende Verbindungskabel leider bei Sinar liegen geblieben war. Etwas Workflow-hinderlich ist die Tatsache, dass der LCD-Shutter bei jeder Aufnahme mechanisch ein- und wieder ausgeschwenkt werden muss. Die Kamerasoftware von Sinar präsentiert sich mittlerweile als ausgesprochen ausgereift. Die Echtzeit-Lupenfunktion, die schon vor dem „Entwickeln“ eines Oneshot-Rohdatensatzes durch einfaches Überfahren mit der Maus hoch aufgelöste Details zeigt, sowie Spezialitäten wie die Einblendemöglichkeit von Seitenlayouts in das Live-Bild erlauben ein zielgerichtetes Arbeiten.
Sinarback 54 M

Kompakter und dank stark reduzierter Kabelverbindungen weniger „fummelig“ präsentiert sich das Sinarback 54 M: Als reines Oneshot-Rückteil ist es zwar eher für die Verwendung an Mittelformatkameras gedacht, macht aber gerade auch mit der Sinar M, mit der es über verschiedenen Direktkontakte kommuniziert, ein gutes Bild. Es verfügt, ebenso wie Das Sinarback 54M verfügt – ebenso wie das Sinarback 54 H - über eine aktive Kühlung, die gerade im Langzeitbereich und bei langen Fotosequenzen für eine Verbesserung der Bildqualität durch geringeres Rauschen sorgt. Weiter bietet es im Gegensatz bzum ungekühlten P25 von Phase One, ein Live-Bild, ohne dass sich dies im Test in einem (durch die Wärmeentwicklung beim ständigen Auslesen des Sensors verursachtes) verstärktes Rauschen bemerkbar gemacht hätte.
Phase One P25

Wäre dieser Test ein Schönheitswettbewerb, so würde ihn vermutlich das P25 von Phase One gewinnen: elegantes Design, trotz integrierten Akkus, LC-Display und CompactFlash-Schacht ausgesprochen kompakt und – im stationären Einsatz – ohne Kabelsalat mit dem Rechner zu verbinden. Während die deutlich zu dunkle Darstellung der Aufnahmen auf dem LC-Display im Teststudio zunächst enttäuschte – laut Hersteller sollte man daher die Histogramm-Funktion des Rückteils nutzen -, konnte der Mini-Bildschirm im Freien seine Qualitäten beweisen. Wo nämlich der Monitor des Sinarback eMotion im Sonnenlicht in tiefe Finsternis verfiel, zeigte er pflichtbewusst und erkennbar noch die Bilder und Menüs.
Nur schwer verargumentierbar ist jedoch für alle jene, die das P25 auch im Studio an der Fachkamera einsetzen möchten, das Fehlen des Live-Previews. Ob nämlich das Einstellen mittels Lupe und Verschiebeadapter wirklich noch zeitgemäß ist, ist fraglich. Voll überzeugen kann dagegen die zugehörige Software, auch wenn die Mac-Version beim Test in Sachen Geschwindigkeit noch etwas lahmte: Schnelle Previews kompensieren das fehlende Live-Bild zumindest teilweise, die Verarbeitung über Hotfolder sowie die interessante 2-Shot Funktion, bei der zwei Teilbelichtungen semiautomatisch zu Bildern mit 8.000 x 5.300 oder 10.000 x 4.000 Pixel zusammen gesetzt werden, belegen, dass Phase One auch im Software-Bereich über exzellente Entwickler verfügt. Zur Software-Grundausstattung gehört auch eine Kurve mit „Film-Charakteristik“, die im Test zum Einsatz kam und überzeugende Ergebnisse lieferte (s.u.).
Das ebenfalls mitgebrachte P20-Back wurde in Rücksprache mit dem Hersteller nicht separat getestet, da es bis auf die (quadratischen) Abmessungen des Sensors und der dadurch unterschiedlichen Auflösung keine Neuerungen beinhalte.
Groß genug?
Ernüchterung macht sich breit – bei denjenigen, die schon täglich mit höchstauflösenden Kamerarückteilen arbeiten. Lamentierten die Fotografen noch vor wenigen Jahren, die Auflösung der Geräte sei für höchste Qualitätsansprüche zu gering, so wird heute das Gegenteil beklagt: Ein einziges Oneshot-Bild eines 22 Megapixel-Rückteils schlägt mit satten 65 Megabyte zu Buche – im RGB-Tiff-Format, wohlgemerkt, denn als CMYK wäre es noch einmal mehr. Ein 16-Shot greift sich gar gleich ein Viertel Gigagbyte Plattenplatz, gerade einmal zwei solcher Aufnahmen würden auf eine CD passen. Den immer lauter werdenden Anwenderwünschen, die Auflösung zumindest direkt bei der Aufnahme optional reduzieren zu können, konnten die Entwickler der getesteten Systeme bisher nicht nachkommen. Bei Phase One kann man sich mit einem Trick behelfen und als Empfindlichkeit ISO 800 wählen, was die Auflösung automatisch reduziert. Bei Jenoptik finde sich die optionale Auflösungsreduzierung – nur der Schritt auf ein Viertel der Maximalauflösung ist geplant – auf der Roadmap für die Produktentwicklung.
Was die Hersteller selbst betrifft, so hoffen viele, dass in Sachen Auflösung das „Gleichgewicht des Schreckens“ nun dafür sorgt, dass der Pixel-Wettlauf nicht weiter fortgesetzt wird. Mit anderen Worten: Jeder hofft, dass der andere nicht doch ein noch höher auflösendes Rückteil auf den Markt bringt und dass man sich so – endlich – auf den Abverkauf der aktuellen Produkt-Palette konzentrieren kann. In der Praxis wird es zwar schnell deutlich, dass es bei der Auflösung – ebenso wie fürher beim Film – ein „Genug“ gibt. Dennoch ist das Pixel als Solches leider für viele – insbesondere für noch nicht recht digital-erfahrene – Fotografen das Killer-Kriterium, zumal es sich so schön quantifizieren lässt wie die PS beim Auto oder die Watt bei der Stereo-Endstufe.

