Digitalrückteile Juni 2005, Teil II
(© Dr. Martin Knapp, mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift ProfiFoto)
Im zweiten Teil des großen Rückteiltests stellten sich Modelle von Hasselblad/Imacon, Leaf sowie das lange erwartete Digital Modul R von Leica den Testaufgaben des Arbeitskreises Digitale Fotografie (adf).


Die Teilnehmer des zweiten Teils des adf Rückteiltests: 1. Manfred Dilling, Fotograf, Vorstand pic; 2. Reinhard Fittkau, Fotograf, Vorstand adf und pic; 3. Katharina Willmann, Model; 4. Holger Hagedorn, BetterNet; 5. Gero Salomon, Calumet; 6. Elfriede Twardy, Fotografin; 7. Manfred Zentsch, Fotograf und Gastgeber; 8. Michel Rühmland, Calumet; 9. Cedric Muscat, Leaf; 10. Jatra Mann, Kind; 11. Uli Dinger, Fotograf; 12. Matthias Seidel, Hasselblad; 13. Achim Rösch, Fotograf; 14. Jesko von Oeynhausen, Leica; 15. Dr. Martin Knapp, BetterNet, adf Vorstand.
Das Test-Team (siehe Teil 1 in Profifoto 4/2005, Seite 72) wurde im zweiten Teil um die Porträtspezialistin Elfriede Twardy sowie um den Fotografen und Colormanagement-Spezialisten Manfred Dilling ergänzt. Eingeladen waren zudem die Produktspezialisten der jeweiligen Hersteller, die ihre Schützlinge in Position brachten. Die Basisaufgaben entsprachen mit adf-Testkoffer, Messchart-Tafel und Model-Shot jenen des ersten Teils, wurden aber noch um ein neues Motiv zur Ermittlung des tatsächlichen Dynamikumfangs sowie durch „freie Arbeiten“ – auch an der frischen Luft – ergänzt.
Die Testkandidaten

- Hasselblad H1D

- Leaf Aptus 22

- Imacon Ixpress 528C
Die zweite Runde des Tests begann mit einer Enttäuschung: die avisierten brandneuen Modelle Marke Hasselblad – wobei die Marke nach der Fusion mit Imacon auch sämtliche Foto-Produkte von Imacon umfasst, die somit nicht mehr unter eigenem Namen auf dem Markt angeboten werden - traten überraschend doch nicht an. Der eigens aus Dänemark angereiste Director Digital Camera Products bei Hasselblad in Kopenhagen, Peter Stieg-Nielsen, informierte uns, man habe aus strategischen Gründen beschlossen, die Produkteinführung und sogar das Verkünden jedweder Spezifikationen auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Im Reisegepäck hatte man aber die Rückteile Ixpress 96C und Ixpress 528C sowie das Modell Hasselblad H1D. Diese werden laut Hersteller auch nach der Einführung der neuen Modelle im Sortiment bleiben, so dass ein Test gerechtfertigt sei. Das mit einem quadratischen 16-Megapixel-Sensor ausgestattete 96C-Back ließen wir zwar die Testaufgaben durchlaufen, nahmen es aber, ebenso wie in Teil 1 das ähnlich ausgestattete P20 von Phase One, aus dem Vergleich heraus, um diesen auf die 22-Megapixel-Modelle zu fokussieren.
Das Ixpress 528C tritt als universal einsetzbares Studio-Rückteil an. Neben dem schnellen Oneshot beherrscht es den interpolationsfreien 4-Shot sowie – für den Auflösungsoverkill – den 16-Shot mit 10.880 x 8.160 Pixel. Die beiden letztgenannten Modi bleiben wegen der erforderlichen Teilaufnahmen natürlich auf unbewegte Motive begrenzt.
Zwar nicht von Haus aus auf den Mobileinsatz ausgelegt, erlaubt es doch – in Verbindung mit dem externen Datenspeicher Image Bank – den autonomen Einsatz ohne Anschluss an einen Rechner; das integrierte 2-Zoll-Display ist zwar von der Größe her sicher nicht mehr zeitgemäß, erlaubt aber dennoch eine recht schnelle Bild- und Histogrammkontrolle.
Einige Details sind jedoch intelligent gelöst, so etwa der um 90 Grad drehbare Firewire-Anschluss, der das unter Praktikern nur zu bekannte Problem abgeknickter und somit unterbrochener Verbindungen beseitigt: Obwohl nämlich die Rückteil in der Sachfotografie statistisch überwiegend im Hochformat eingesetzt werden, sind bei vielen Modellen die Anschlüsse in der Querformat-Position herausgeführt.Als erste integrierte Mittelformatkamera mit Autofokus trat die H1D von Hasselblad an, bei dessen Entwicklung Fujifilm relevante Teile der Kamera (wie Autofocus oder Objektivtechnik ) beisteuerte. Das digitale Innenleben stammt jedoch von Imacon. Mit rechteckigem 22-Megapixel-Sensor ist sie ein reines Oneshot-System, das für den mobilen Einsatz ebenfalls auf die Image Bank angewiesen ist, da es kein integriertes Kartenspeichersystem gibt. Zur Bildkontrolle dient ein mit 2-Zoll doch recht klein ausgefallenes Display auf der Rückseite.
Weiterer seit langer Zeit erwarteter Teilnehmer der zweiten Runde war das neue Leaf Aptus22, das trotz des Aufkaufs der Mutterfirma Creo durch Kodak immer noch diesen Namen trägt. Bereits zur photokina 2004 angekündigt, hatte sich die Verfügbarkeit mehrfach verschoben, so dass die Neugier auf die Leistungen des jüngsten Produktes des Rückteil-Pioniers groß war. Schon beim Auspacken erwies sich das Aptus22 als echter Hingucker: Sein 6 mal 7 Zentimeter großes Display hebt es schon optisch von allen anderen Backs ab. Nach dem Anschließen bemerkt man schnell, dass das Display nicht nur groß ist, sondern auch mit einer ausgesprochen angenehmen Touchscreen-Bedienung aufwartet: Mit einem Stift aktiviert man – ähnlich wie bei einem PDA – Menübefehle und navigiert durch die Optionen: Die Menüs sind dabei durch die Verwendung von eindeutigen Piktogrammen derart intuitiv zu bedienen, dass es selbst den notorischen Handbuch-Verweigerern unter den Testern schon beim Erstkontakt leicht fiel, alle produktionsrelevanten Schritte auch ohne Einweisung durchzuführen. Als beispielhaft wurde auch die Möglichkeit bewertet, alternativ zu einer Speicherkarte eine externe Festplatte in einen speziellen Bügel unter der Kamera einzusetzen, der gleichzeitig als sehr solide Stativhalterung dient. Und wer sich als Fotograf während einer Produktion den Art Director vom Leib beziehungsweise vom Rückteil-Display halten möchte, kann auf die Funktion zur Bluetooth-Life-Übertragung der Sequenzen auf PDAs zurückgreifen – „so hat man seine Ruhe und der AD kann sich die Bilder entspannt unter dem Sonnenschirm sitzend betrachten“, bemerkte einer der Tester. A propos Sonne: Erfreulicherweise war auch im Sonnenlicht-Test noch etwas auf dem Aptus-Display zu sehen, so dass einem Outdoor-Einsatz nichts im Wege steht.
Ebenfalls angetreten war das Digital Modul R von Leica, das in diesem Umfeld natürlich in vielerlei Hinsicht eine Sonderrolle einnimmt. Da es sich aber zum einen letztendlich um ein Rückteil handelt und zum anderen die Erwartung der gesamten Fotowelt an dieses neue Schlüsselprodukt des Traditionsunternehmens so groß war, ist die Berücksichtigung im Test mehr als gerechtfertigt, auch wenn sich ein direkte Vergleich mit 22-Megapixel-Rückteilen nicht nur angesichts des wesentlich niedrigeren Preises und der weniger als halb so hohen Auflösung verbietet.

