Marktbefragung zur Digitalen Fotografie
im Bereich der Profifotografen
Im Rahmen einer Auftragsstudie wurden von "idia" 410 professionelle Fotografen zum Thema digitale Fotografie befragt. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag mit 213 Befragten bei den Studios, die derzeit bereits mit digitalen Aufnahmesystemen arbeiten. Um einen Vergleich mit Studios, die bisher noch nicht in diesen Bereich investiert haben ziehen zu können, wurden gleichzeitig 197 rein konventionell arbeitende Fotografen befragt.
Die Themenschwerpunkte:
- Welche Erwartungen haben professionelle Anwender an die digitale Fotografie?
- Wie werden die Leistungen digitaler Techniken im Vergleich zur konventionellen Fotografie gesehen?
- Wie zufrieden sind Fotografen mit den derzeitigen Techniken?
- Welche Erfahrungen wurden mit digitalen Investitionen gemacht?
- Welche Veränderungen ergeben sich durch die Einführung digitaler Techniken in den Studios?
Einige der interessanten Ergebnisse wurden aus der Studie herausgegriffen und auf der folgenden Seite dargestellt.
Tätigkeitsschwerpunkte digitaler Fotografen

Die Tätigkeitsschwerpunkte der befragten Studios wurden in die fünf Bereiche People/Auto,Möbel/Industrie/Stills hochwertig und Stills Standard eingeteilt.
Bei den Studios die derzeit bereits digital fotografieren, ist der Bereich Stills Standard überdurchschnittlich häufig vertreten. 86% aller digitalen Studios geben diesen Bereich als einen ihrer Tätigkeitsschwerpunkte an. Auch die Industriefotografie ist stark vertreten, wobei sich hier die meisten Überschneidungen mit Stills Standard ergeben.
In den Bereichen hochwertige Stills, Portrait sowie Auto/Möbel sind mit 25-35% vergleichsweise wenige der digitalen Studios tätig.
Leaf - Number One

Die meisten Studios vertrauen auf ein digitales Rückteil der Marke Leaf. Mit einem Anteil von 36% hat dieser Hersteller den größten Marktanteil unter den befragten Studios. Jeweils zwischen 10- 1 6% der Studios nutzen derzeit die Marken Kodak, Megavision oder PhaseOne.
Unter der Sparte »Sonstige«mit einem Gesamtanteil von 26% sind die Marken Kontron/Eyelike, Dicomed, Rollei und SinarCam zusammengefasst.
Domaine der Großen

Der Vergleich konventioneller und digitaler Studios hinsichtlich ihrer Mitarbeiterzahl zeigt, daß die Studios mit digitalen Aufnahmesystemen mehr Mitarbeiter und auch mehr Fotografen beschäftigen.
Während ca. 60% der konventionellen Studios mit nur einem Mitarbeiter arbeiten, haben 80% der digitalen Studios mehr als einen Angestellten.
Trend »OneShot«

OneShot-Kamerasysteme liegen bei den Rückteilen voll im Trend. Bereits heute fotografieren Fotografen in über 50% der Studios mit dieser Technik.
Zukünftig wird der Systemanteil OneShot gegenüber MultiShot und Scanner sogar noch zunehmen. Dies läßt sich aus den Antworten der derzeit noch konventionell fotografierenden Studios schließen. Ihnen wurde die Frage gestellt, für welche Technik sie sich bei Kauf entscheiden würden. Die Entscheidung fiele hier bei über 60% für ein OneShot-System.
Was ist wichtig?

Bei den Eigenschaften eines digitalen Rückteils werden von über 60% der derzeit digital fotografierenden Studios Livebild (LB),Separationsmöglichkeiten (SM) und Colourmanagement (CM) als wichtig eingestuft.
Über 80% aller Befragten halten eine Dateigröße von über 12 MB für notwendig.
Insbesondere dem Bereich Livebild sowie dem Colourmanagement ist zukünftig noch mehr Bedeutung beizumessen sein. Gerade beim Livebild stellen derzeit noch konventionell fotografierende Fotografen höhere Ansprüche. In dieser Gruppe halten 80% ein Livebild für unerläßlich. Auch das Colourmanagement wird hier von ca. 90% als wichtig erachtet. Dies kann auf höhere Anforderungen an die Qualität der Aufnahmen hinweisen. Interessanterweise konnte jedoch festgestellt werden, daß sich gerade konventionell arbeitende Studios im Bereich der elektronischen Bildbearbeitung mit Hilfe von Scannern stärker engagieren als Studios, die direkt digital fotografieren.
Streitpunkt Qualität

Große Differenzen bestehen nach wie vor bei der Beurteilung der Qualität digitaler Aufnahmen. Hier zeigt sich deutlich, daß diese von ca. 50% der konventionellen Studios mit »schlecht« beurteilt wird. Über 90% der digital fotografierenden Studios sind hingegen mit der Qualität zufrieden. Der Anteil derer, die die Qualität mit "sehr gut" beurteilen liegt sogar bei über 40%.
Preis-Leistungsverhältnis

Das großes Manko der digitalen Fotografie ist nach wie vor das vergleichsweise schlechte Preis-Leistungsverhältnis. Dies bestätigen fast 50% der digitalen Studios.
Im Vergleich schätzen 70% der konventionellen Studios das PreisLeistungsverhältnis als »schlecht« ein.
Dieses noch schlechtere Ergebnis läßt sich dadurch erklären, daß Studios, die sich bereits zur Investition entschlossen haben, wahrscheinlich bessere Voraussetzungen für eine rentable Nutzung dieser Technologie hatten.
Ob in Zukunft der Punkt Preis-Leistungsverhältnis, der sicherlich eines der zentralen Investitionshemmnisse ist, über die wachsenden Qualitätsstandards im digitalen Bereich allein verbessert werden kann, bleibt abzuwarten.
Praktische Erfahrungen

Das Handling der Rückteile sowie der Adaption wird von den Fotografen überwiegend als "sehr gut" bzw. "gut" beurteilt.

Auch bzgl. der zur Verfügung stehenden Software gibt es kaum Schwierigkeiten. Diese wird ebenfalls überwiegend positiv beurteilt.
Anders jedoch bei Betreuung und Service. Hier ist die Unzufriedenheit hoch. Ein Drittel aller digital fotografierenden Studios geben an, in diesem Bereich schlechte Erfahrungen gemacht zu haben.
Neuinvestoren ist daher geraten, sich ihre Partner in dieser Hinsicht gezielt auszuwählen. Preisvorteile beim Kauf können durch den späteren Ärger sowie die mit den notwendigen Service-, Betreuungs- und Schulungsleistungen verbundenen Kosten schnell wieder zunichte gemacht werden.
Erfahrungen Investition

Ca. 20% der befragten Studios investieren jährlich 30.000 DM in die digitalen Aufnahmesysteme. Während 26% jährlich mehr als diese Summe investieren, liegt das Gros der Studios (54%) jedoch im Bereich unter 30.000 DM.

Interessanterweise kann festgestellt werden, daß ein Großteil der Studios, die über digitale Aufnahmesysteme verfügen auch weiterhin viel konventionell fotografieren. Nur 37% der Befragten geben an, mehr digitale Aufnahmen als konventionelle zu machen.
Konventionelle Fotografie kann bis dato in kaum einem Studio völlig ersetzt werden. Es ist also auch weiterhin mit Ersatzinvestitionen im konventionellen Bereich zu rechnen.

Erfreulich ist, daß die Amortisationsdauer der digitalen Kameras bzw. Rückteile nur bei 50% der Studios mit über einem Jahr angegeben wird,
Dieses Ergebnis ist um so erfreulicher, als daß es ein Signal für die
Wirtschaftlichkeit dieser Systeme ist.
Mit Amortisationszeiten unter einem Jahr lassen sich Gegenargumente hinsichtlich schneller Veralterung und dem nicht unerheblichen Preisverfall der Aufnahmesysteme entkräften.
Ergebnisse und Trends

Knapp 60% der Studios bestätigen, daß sich auch mit Anwendung der digitalen Technik die Verkaufspreise der Aufnahmen auf einem durchschnittlichen Niveau gehalten haben. 10% der Studios konnten sogar höhere Preise durchsetzen.

Durch die Investition in die digitale Fotografie konnten ca. 50% der Studios Ihren Kundenstamm erweitern. Die These, daß die Investition in die digitale Fotografie eine Investition in die Zukunft sei, bewahrheitet sich durch dieses Ergebnis.

Interessanterweise haben ca. 50% der befragten Studios die Angebotspalette ihrer Studioleistungen erhöht. Knapp 30% haben dieses Angebot jedoch gestrafft, d. h. es hat eine Konzentration und Spezialisierung stattgefunden.
Hier scheint es also ganz unterschiedliche Trends zu geben.
© 1999 adf / Idia / Profifoto / Dr. Martin Knapp
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